Hauptseite   >> Archivmaterialien   >> Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes

 
Auswaertiges Amt, Berlin, Eingang Kurstrasse 33
Iwan Iljin

Archivmaterialien aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes
der Bundesrepublik Deutschlands


© Copyright-Hinweis. Die Originale der Dokumente, deren Abschriften hier veröffentlicht sind, befinden sich im Politischen Archiv (Referat 117) und nur der Text dieser Originaldokumente kann maßgeblich sein. Jegliche Nach- und/oder Abdrucke bzw. Vervielfältigungen oder sonstige Verwertungen der in dieser Internet-Seite enthaltenen Archivmaterialien sind ohne schriftliche Genehmigung des Politischen Archives des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, D-11013 Berlin unzulässig

Zitierungsmuster ist mindestens wie folgt: PA AA, Aktengruppe/Aktenzeichen (z.B. R31759 "Akten betreffend Bolschewismus, Kommunismus, usw.") , Band-Nr. (z.B. Bd. 43: April - August 1933), Bezeichnung und Datum des Aktenstücks (z.B. Brief  Meyer an RMdI, 13.04.1933), Folie-, Blatt- bzw. Seitenangabe/Filmnummer/Journalnummer (z.B. fol. E501216) . Über Angabe dieser Quelle (http://iljin.ru/german/archiv/paaa_d.html) wird auch gebeten. Die Schreibweise entspricht den Regeln der neuen Rechtschreibung.


Übersicht die relevanten Bestände:

I.  Geheimakten, Abt. IV, Russland, Po 5a. "Innere Politik, russische Emigranten und Monarchisten im Ausland", Band 13: Juli 1932 - August 1933 (Nr. R31666) 

    1. Brief Sergej Botkin an Reichskanzler, mit Anlage, 21.03.1933.
II. Geheimakten, Abt. IV, Russland, Po 19. "Akten betreffend Bolschewismus, Kommunismus, usw.", Bd. 44: April - August 1933 (Nr. R31759) 
    1. Brief Sergej Botkin an Konstantin v. Neurath, 28.03.1933.
    2. Brief Richard Meyer (AA) an RMdI, 13.04.1933.
    3. Brief Georg Gottheiner (RMdI) an AA, 19.04.1933.
    4. Notiz Werner v. Tippelskirch zu den IV Ru 1785/33, 21.04.1933.
    5. Brief Sergej Botkin an Konstantin v. Neurath, 19.04.1933.
    6. Brief Sergej Botkin an Konstantin v. Neurath, 24.07.1933.
    7. Vortrag Iwan Iljin "Über die Richtlinien der Komintern zur Bolschewisierung Deutschlands", 21.04.1933.
    8. Brief AA an Sergej Botkin, 27.07.1933.
    9. Notiz zu den IV Ru 3456, 28.07.1933.
III. Abt. IV, Russland, Po 28.  "Russisches Wissenschaftliches Institut" (Nr. R31836) 
I. Geheimakten, Abt. IV, Russland, Po 5a.  "Innere Politik, russische Emigranten und Monarchisten im Ausland", Band 13: Juli 1932 - August 1933 (Nr. R31666) (in Vorbereitung) 

I.1. Brief Sergej Botkin an Reichskanzler, mit Anlage, 21.03.1933.

Quelle: PA AA, R31666, fol. 99-99a und 100-100a.
 
 

II. Geheimakten, Abt. IV, Russland, Po 19. "Akten betreffend Bolschewismus, Kommunismus, usw.", Bd. 44: April-August 1933 (Nr. R31759) (in Vorbereitung) 

II.1. Brief Sergej Botkin an Reichsaußenminister Konstantin von Neurath , 28.03.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501216.

II.2. Brief Leiter der Abteilung IVa des AA, Ministerialdirektor Richard Meyer an Reichsministerium des Innern, 13.04.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501217.

II.3. Brief Ministerialdirektor Georg Gottheiner (RMdI) an Auswärtiges Amt, 19.04.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501384-E501385.

II.4. Notiz Legationsrat Werner von Tippelskirch zu IV Ru 1785/33, 21.04.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501386.

II.5. Brief Sergej Botkin an Reichsaußenminister Konstantin von Neurath , 19.04.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501390.

II.6. Brief Sergej Botkin an Reichsaußenminister Konstantin von Neurath , 24.07.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501564.

II.7. Vortrag Iwan Iljin "Über die Richtlinien der Komintern zur Bolschewisierung Deutschlands" 
in Deutsch-Russischen Club, 21.04.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501566-E501586.

II.8. Brief Auswärtiges Amt an Sergej Botkin , 27.07.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501587.

II.9. Notiz zu IV Ru 3456, 28.07.1933.

Quelle: PA AA, R31759, fol. E501588.
 
 

III. Abt. IV, Russland, Po 28.  "Russisches Wissenschaftliches Institut" (Nr. R31836)

Die antibolschewistischen Auftritte Iljins führten zu einer interessanten Intrige im Auswärtigen Amt. Früher wurde angenommen, dass der Brief des Leiters des Referats IV O. Trautmann an die Deutsche Gesellschaft für Osteuropastudien (DGSO) vom 30. April 1930 mit seiner Idee zusammenhing, die er während der Verhandlungen überlegt hat, die damals in Berlin mit den Vertretern der Sowjetischen Regierung (u.a. - mit Botschaftern Krestinskij) stattfanden 

Trautmanan wollte ihnen eine Art Tauschgeschäft anbieten. Danach sollte die Komintern mit ihrer aktiven Agitation in Deutschland aufhören, während die Deutsche Regierung die Tätigkeit der russischen Emigranten ernsthaft einschränkt (wortlaut: "... Die Erklärung, die mit den Russen vereinbaren, könnte gegenseitig sein; wir würden damit unsererseits die Verpflichtung übernehmen, dafür zu sorgen, dass die russischen Emigranten-Organisationen hier nichts unternehmen, was gegen die Ordnung oder den Bestand des russischen Staates gerichtet ist", in: PA AA, Büro StS von Schubert, "Akten betreffend politische Angelegenheiten des UdSSR", Band 29: 17-30.04.30, fol. 66). 

Höchstwahrscheinlich ging jedoch die Initiative, diesen Brief zu verfassen vom dem Vizepräsidenten der DGSO Otto Hoetzsch aus, dem die Tätigkeit der "Iljingruppe" innerhalb und außerhalb des RWI gestört hat, ein gutes Arbeitsverhältnis mit den sowjetischen Historikern aufrechtzuerhalten. Hoetzsch ist aber nicht gelungen, die Kündigung Iljins durchzusetzen. Die Ursache dafür waren vermutlich die Einwände des anderen Vizepräsidenten der DGSO und des Direktors der Berliner Abteilung des Deutschen Forschungsinstituts für Landwirtschaft und Migrationpolitik Prof. Max Sering. Er war der Ansicht, man darf nicht vor der Tatsache die Augen verschließen, dass die andersdenkenden Wissenschaftler in Sowjetrussland verfolgt werden, nur um den "Geist von Rappalo" aufrechtzuerhalten. 

Andererseits lehnten die Sowjetischen Vertreter den Vorschlag von Trautmann offensichtlich ab - im weiteren Verlandlungenverlauf war von einem solchen Abkommen keine Rede mehr. 

Der Brief wurde in der Zeit von März-April 1930 vorbereitet. Zunächst kommt Entwurf, danach Vermerk des Mitarbeiters "H." vom  8. April und Bericht des K. Dienstman vom 22. April. Und schließlich kommt die Endversion, auf Grund deren Hoetzsch eine Mahnung an Brutzkus und Iljin abgeschickt hat. (Kommentar von Daniel Tsygankov, Übersetzung aus dem Russischen - Ivan Gritsenko). 
 
 

III.1. Brief Leiter der Abteilung IV des AA Oskar Trautmann an Hans Jonas , März 1930 (Entwurf).

Berlin, den ______ März 1930.                       D<urchschla>g.                                      e.o. IV Ru _______

An 
die Deutsche Gesellschaft 
zum Studium Osteuropas 
- z. Hd. des Herrn Generalsekretär Jonas - 

H i e r 
Potsdamerstr. 26 b.
In der letzten Zeit sind die Mitglieder des Russischen Wissenschaftlichen Instituts, die Herren Professoren Dr. Brutzkus und Iljin mehrfach mit Zeitungsartikeln bezw. Vorträgen, die von einer ausgesprochen sowjetfeindlichen Tendenz getragen waren, in der Öffentlichkeit hervorgetreten. Die Herren haben es dabei in verschiedenen Fällen nicht unterlassen, ihre Zugehörigkeit zum Russischen Wissenschaftlichen Institut besonders zu erwähnen. 

Dem A<uswärtien> A<mt> liegt es selbstverständlich durhaus fern, auf die wissenschaftliche Meinungsfreiheit der genannten Professoren irgendeinen Einfluss auszuüben. Dagegen hält es politische und wirtschaftspolitische Auslassungen von Angehörigen des Russischen Wissenschaftlichen Instituts, das bekanntlich durch Reichsmittel unterstützt wird, für unzulässig, wenn diese Auslassungen der von der Reichsregierung gegenüber Sowjetunion verfolgten Politik zuwiderlaufen. 

Es darf daher erg<ebenst> gebeten werden, die Herren Professoren Dr. Brutzkus und Iljin vor die Wahl zu stellen, entweder auf ihre Zugehörigkeit zum Russischen Wissenschaftlichen Institut zu verzichten oder bei ihrem öffentlichen Hervortreten als Mitglieder dieses amtlich unterstützen Instituts sich in Rahmen der offiziellen deutschen Politik gegenüber der Sowjetunion zu halten. 

Einer Mitteilung der dortigen Stellungnahme darf erg<ebenst> entgegengesehen werden. 

I. A. 
(Dg.) 

gez. Trautmann

Quelle: PA AA, R31836, nicht foliert. Händeschriftliche Korrektur.

III.2. Vermerk zu den IV Ru 2292, 08.04.1930.

zu den IV Ru 2292
Vermerk

Professor Brutzkus hat in beigefügten Artikeln im “Bayerischen Kurier” vom 8. und 9.III. d<ieses> J<ahres> und in “Berner Bund” vom 18.III. d<ieses> Jahres den sowjetischen Bauernpolitik scharf kritisiert. 

Über die schriftlichen Tüchtigkeit von Prof. Iljin liegen jetzt keine Vorgänge vor. 

H. 8/IV
Quelle: PA AA, R31836, nicht foliert.

  III.3. Aufzeichnung Karl Dienstmann zu den IV Ru 2292, 22.04.1930.

 

IV Ru 2292 Anh<ang> II
Aufzeichnung

Professor Boris  B r u t z k u s, ein russischer Emigrant in der letzten Zeit verschiedenendlich mit Artikeln gegen die Agrarpolitik in der Sowjetunion hervorgetreten, die in ihrer Tendenz unvereinbar mit seiner Zugehörigkeit zum russischen Wissenschaftlichen Institut in Berlin, einer von Reichsmitteln unterstützten Organisation, sind. Auf die in beiliegenden Akten kenntlich gemachten Artikel darf gehorsamt hingewiesen werden. Herr Brutzkus hat in den Artikeln seine Zugehörigkeit zum Institut noch besonders hervorgehoben. 

Professor  I l j i n, der ebenfalls dem Russischen Wissenschaftlichen Institut als Mitglied angehört, hat sich durch sein Hervortreten bei den Kundgebungen gegen die russischen Religionsverfolgungen im Wintergarten, ferner im Berliner Herrenklub und in der Kolonialgesellschaft von Berlin politisch in einer Form betätigt, die für ein Mitglied des genannten Instituts unzulässig ist. 

Die Deutsche Kolonialgesellschaft hat z. B. Anlass genommen, sich wegen des Vortrages des Herrn Prof. Iljin beim Auswärtigen Amt zu entschuldigen. 

Das gehorsamst wieder vorgelegte Schreiben entspricht einem Wunsche der Deutschen Gesellschaft zum Studium Ost-Europas (Professor Hoetzsch), der Gelegenheit nehmen will, politisch schädlichen Tendenzen im Russischen Wissenschaftlichen Institut entgegenzutreten. 

Um die Absendung des Schreibens darf gehorsamst gebeten werden. 

Hiermit 
Herrn Min. Dir. Trautmann 
gehorsamst vorgelegt. 
Berlin, den 22. April 1930.
Quelle: PA AA, R31836, nicht foliert. Händeschriftliche Ergänzungen.
 

Am 23.02.1930 veranstaltete der evangelische Lutherring eine Massenkundgebung im Berliner Wintergarten, um zu einem gemeinsamen Kampf der christlichen Welt gegen Bolschewismus aufzurufen. Unter den Zuhörern waren Mitglieder des Hohenzollernhauses, die Universitätsrektoren und mehrere Professoren. Außer ehemaligen Hofprediger Bruno Doehring zählte auch Iljin zu den Rednern. Sein Vortrag "Die Christenverfolgung im Sowjet-Staat" wurde später als 1. Teil der Iljins Broschüre Wider die Gottlosigkeit. Die Christenverfolgung  im Sowietstaate. Der Sinn der Gottlosigkeit. Der Bund von Gottlosen (hrsg. in: Die Notreihe. Fortlaufende Abhandlungen über Wesen und Wirken des Bolschewismus, Berlin: Eckart-Verlag, 1931, Heft 3, 39 S.) veröffentlicht. Über Veranstaltung siehe zahlreiche Berichtserstattung in den deutschen Zeitungen am 24.02.30:  Germania, Deutsche Allgemeine Zeitung, Deutsche Zeitung, Der Montag, Neue Preußische Kreuz Zeitung usw. 

Am 14.03.1930 wurde auf einer Sitzung des Herrenklubs in Anwesenheit von fast 80 angesehenen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kirche die Koordination von Maßnahmen gegen Bolschewismus besprochen. Unter Teilnehmer waren z. B. die späteren Reichskanzler von Papen (Zentrum) und Generalmajor von Schleicher, Reichsinnenminister a. D. von Keudell (DNVP); die Industriellen Abraham Frowein, Georg Solmssen, Hans von Raumer; aus Kirchekreisen - Berliner Bischof Christian Schreiber und Superintendant Otto Dibelius (vgl.: Mick, Christoph: Sowjetische Propaganda, Fünfjahrplan und deutsche Russlandpolitik 1928-1932, Stuttgart 1995,  S. 398ff.). Iljin hielt den ersten Vortrag - "Der Weltangriff der Kommunisten"; danach began Besprechung, aufgrund deren ein vorbereitendes "Aktionkomitee" gewählt wurde. (Aufzeichnung Hans Redlhammer für Reichsminister Julius Curtius, 20.03.1930, PA AA, Büro RM, R28303k, fol. 280) Mitte Mai 1930 beschloss es die Gründung zweier antibolschewistischen Vereine: "Bund zum Schutze der abendländischen Kultur" (an der Spitze stand Werner von Alvensleben) und "Europäische Aktion" (an der Spitze stand Alois Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg).

Iljin hielt an Anfang April 1930 den Vortrag "Die neue kommunistische Offensive in Russland" in Kolonialgesellschaft von Berlin. 
 
 

III.4. Brief Oskar Trautmann an Hans Jonas, 30.04.1930 (Schlussvariant).

Berlin, den 30. April 1930.                               D<urchshla>g.                                                    e.o. IV Ru 2292

An 
die Deutsche Gesellschaft 
zum Studium Osteuropas 
- z. Hd. des Herrn Generalsekretär Jonas - 

H i e r 
Potsdamerstr. 26 b.
In der letzten Zeit sind die Mitglieder des Russischen Wissenschaftlichen Instituts, die Herren Professoren Dr. Brutzkus und Iljin in der Öffentlichkeit mehrfach mit Zeitungsartikeln bezw. Vorträgen, die von einer ausgesprochen sowjetfeindlichen Tendenz getragen waren, hervorgetreten. Die Herren haben es dabei in einzelnen Fällen nicht unterlassen, ihre Zugehörigkeit zum Russischen Wissenschaftlichen Institut noch besonders zu erwähnen. 

Dem A<uswärtien> A<mt> liegt es selbstverständlich fern, auf die wissenschaftliche Meinungsfreiheit der genannten Professoren irgendeinen Einfluss auszuüben. Dagegen hält es politische und wirtschaftspolitische Auslassungen von Angehörigen des Russischen Wissenschaftlichen Instituts für unzulässig, wenn diese Auslassungen der von der Reichsregierung gegenüber Sowjetunion verfolgten Politik zuwiderlaufen. 

Es darf daher erg<ebenst> gebeten werden, die Herren Professoren Dr. Brutzkus und Iljin hieraf hinzuweisen. Sollte es für erforderlich gehalten werden, so bestehen keine Bedenken dagegen, die Herren vor die vertrauliche Wahl zu stellen, entweder auf ihre Zugehörigkeit zum Russischen Wissenschaftlichem Institut zu verzichten oder bei ihrem öffentlichen Hervortreten als Mitglieder von Instituts sich in Rahmen der offiziellen deutschen Politik gegenüber der Sowjetunion zu halten. 

Einer Mitteilung der dortigen Stellungnahme darf erg<ebenst> entgegengesehen werden. 

I. A. 
(Dg.) 

gez. Trautmann

Quelle: PA AA, R31836, nicht foliert. Rekonstruiert.


Last updated: 10.09.2002